Vor einigen Monaten hatten wir die Gelegenheit, das neue e-MTB Mondraker SLY auf unseren anspruchsvollen Trails im Süden Frankreichs zu testen. Hier teilen wir unsere Eindrücke in diesem Alltricks-Test.
Inhaltsverzeichnis unseres Tests & unserer Meinung zum elektrischen Mountainbike Mondraker SLY RR
- Die Einführung des Mondraker SLY RR in die Produktreihe
- Die technischen Eigenschaften des Mondraker SLY RR
- Rahmen und Geometrie
- Motorisierung und Akku
- Unser Praxistest des Mondraker SLY RR im Gelände
- Wie schlägt es sich im All-Mountain-Bereich?
- Wie schlägt es sich im Enduro-Bereich?
- Unsere Meinung zur Schaltung und den Komponenten des Mondraker SLY
- Unsere Meinung zum elektrischen Teil des Mondraker SLY: Motor & Reichweite
- Was bleibt aus diesem Test des elektrischen Mountainbikes Mondraker SLY RR zu merken
- Übersichtstabelle unseres Tests des Mondraker SLY RR
Die Einführung des Mondraker SLY RR in die Produktreihe
Ende 2024 stellte Mondraker sein neues „leichtes“ Enduro-Bike SLY vor, inspiriert vom Dune und dem Neatt.
In der Kategorie „Light E-MTB Enduro“ der spanischen Marke steht an der Spitze das Dune – ein großes Carbon-Enduro mit 180-170 / 165 mm Federweg, ausgestattet mit dem Bosch SX-Motor und einem 400 Wh Akku. Dann folgt das Neatt mit Carbonrahmen, 160/150 mm Federweg, dem ultrakompakten TQ-HPR50-Motor und einem 360 Wh Akku.
Neu in dieser Reihe ist das SLY, ebenfalls mit 160/150 mm Federweg, allerdings mit einem Aluminiumrahmen, dem Bosch SX-Motor und einem 400 Wh Akku.
Das SLY präsentiert sich also als leichtes Enduro, trotz seines Aluminiumrahmens, und bleibt dabei relativ erschwinglich. Zwei Modelle sind im Katalog:
- das SLY R mit RockShox-Fahrwerk und mechanischer SRAM GX-Schaltung,
- sowie das SLY RR mit FOX-Fahrwerk und elektronischer SRAM GX AXS-Schaltung.
Das SLY R ist auf der Website von Alltricks für 5999 € erhältlich, das SLY RR für 6999 €.
Die technischen Eigenschaften des Mondraker SLY RR
Rahmen und Geometrie
Das SLY verfügt über einen Rahmen aus 6061 Stealth Evo Aluminium sowie über markentypische Technologien wie das Zero Suspension-Federungssystem mit einem „schwebenden“ Dämpfer und die Forward Geometry – eine fortschrittliche Geometrie, die die heutigen Enduro-Geometrien maßgeblich beeinflusst hat und insbesondere von Fabien Barel entwickelt wurde, als er noch für die „Marke mit dem M“ fuhr.
Motorisierung und Akku
Mondraker hat das SLY als ein „leichtes eMTB“ konzipiert – ein elektrisches Enduro mit einem begrenzten Gewicht (das SLY RR in Größe M ohne Pedale wiegt ca. 20,5 kg) und einer leichten Unterstützung: maximal 55 Nm Drehmoment und ein Akku mit kleiner Kapazität (400 Wh), um das Gewicht des Fahrrads zu reduzieren.
Auf seiner Website richtet Mondraker das SLY an „[…] Radfahrer, die erste Schritte in die Welt der E‑Bikes machen möchten, oder an diejenigen, die ihr Investment in ein leichtes eMTB begrenzen wollen.“
Unser Praxistest des Mondraker SLY RR im Gelände
Wir konnten das SLY in seiner hochwertigsten Version, dem RR-Modell, über mehrere Wochen hinweg testen. Unser gewohntes Testrevier südlich von Aix-en-Provence besteht aus zwei Bereichen:
Einem sehr enduro-orientierten Gelände mit technisch anspruchsvollen und fordernden Trails auf extrem trockenem und felsigem Boden – sowie einem zweiten, eher all-mountain-lastigen Abschnitt im Wald, mit mehr Flow und weniger Höhenunterschieden.
Was die Größe betrifft: Das SLY in Größe M wird für Personen zwischen 165 und 175 cm empfohlen.
Mit meinen 175 cm hätte ich persönlich ein etwas längeres Modell in M/L bevorzugt. Für Einsteiger dürfte das SLY in Größe M jedoch ideal sein und bis etwa 175 cm Körpergröße ein gutes Sicherheitsgefühl bieten.
Wie schlägt sich das SLY im All-Mountain-Bereich?
Auf unserem ersten Testabschnitt – einem welligen Singletrail mit einigen technischen Passagen – macht das SLY richtig Spaß. Es war ein Vergnügen, die Kurven aneinanderzureihen, den Fuß innen rauszustellen, am Kurvenausgang zu beschleunigen und über die nächsten Felsplatten zu springen.
Das Bike zeigt einen spielerischen Charakter, lässt sich leicht positionieren und ist erstaunlich wendig – besonders angesichts seiner durchaus großzügigen Maße.
Der Bosch-SX-Motor liefert genügend Leistung, um bei diesem Spiel mitzuhalten. Besonders gefallen haben uns auch die Maxxis-DHF/DHR-Kombi, der perfekte Fizik Terra Aidon X5-Sattel und die hauseigene OnOff-Pija-Variosattelstütze mit ihrem sehr ergonomischen Hebel.
Ein kleines, aber wichtiges Detail: Der Remote-Hebel der Sattelstütze ist kugelgelagert, was für einen besonders geschmeidigen und angenehmen Bedienkomfort sorgt – gerade bei der Erstausstattung keine Selbstverständlichkeit.
Hinten funktioniert die Zero-Suspension-Federung einwandfrei. Sie bietet hervorragenden Grip, schluckt alles, was sich ihr in den Weg stellt, und hält dabei eine gute Balance – unter anderem dank ihrer schönen Progressivität.
Ein echter Pluspunkt, der maßgeblich zu dem hohen Vertrauen beiträgt, das man beim Fahren des SLY empfindet.
Wie schlägt sich das SLY im Enduro-Einsatz?
In unserem deutlich enduro-lastigeren Testbereich – mit mehr Höhenmetern und langen, technischen und fordernden Abfahrten – waren wir überrascht vom Gefühl eines eher steilen Lenkwinkels.
Obwohl das SLY etwas kürzer ist als mein übliches Bike in Größe L (was einen Teil der Erklärung liefern könnte), hat es dennoch denselben Lenkwinkel.
Ein genauerer Blick zeigt: Das SLY hat ein höher positioniertes Tretlager als manche vergleichbaren Modelle dieser Kategorie (350 mm, also z. B. 25 mm mehr als ein Orbea Rise). Das führt dazu, dass man als Fahrer weiter nach vorne über dem Rad sitzt – was letztlich auch logisch ist, denn Mondrakers Geometrie nennt sich Forward Geometry 😄.
Auf dem Papier bringt die Forward Geometry mehrere Vorteile mit sich: mehr Stabilität durch einen langen Reach und einen sehr kurzen Vorbau (okay, diesen Punkt lassen wir beiseite, da die Größe M für mich nicht ideal war), eine zentralere Fahrposition mit mehr Gewicht auf dem Vorderrad – ausgeglichen durch relativ lange Kettenstreben – und somit mehr Vertrauen bei der Abfahrt.
In der Praxis hat diese Position jedoch unsere Unterarme stärker beansprucht und uns in technischen Abfahrten nicht unbedingt mehr Vertrauen vermittelt.
Diese Unsicherheit führen wir hauptsächlich auf die etwas zu kleine Rahmengröße zurück. Daher ein klarer Hinweis bei der Größenwahl:
Ab einer Körpergröße von 1,70 m sollte man ruhig auf Größe M/L setzen – sie dürfte für erfahrenere Fahrer ausgewogener, stabiler und schneller sein, auch wenn der Radstand dann fast schon „riesig“ wirkt und man aktiv arbeiten muss, um das SLY durch enge Kurven zu bringen.
Für Einsteiger empfehlen wir, sich einfach an den Größenguide von Mondraker zu halten und bei Größe M zu bleiben.
Unsere Meinung zur Schaltung und den Komponenten des Mondraker SLY
Die elektronische SRAM GX AXS-Schaltung wechselt die Gänge präzise und schnell. Das FOX-Fahrwerk (Fox 36 Performance und Float X Performance EVOL) arbeitet einwandfrei, und die Mavic eDeemax SL-Laufräder passen sehr gut zum Einsatzbereich des SLY.
Was wir hingegen bedauern: die mangelnde Bremskraft der SRAM CODE Bronze-Bremsen, die uns bei Abfahrten spürbar eingeschränkt haben. Sie sind relativ laut und bieten ein schwammiges Bremsgefühl. Eine sofortige Investition in eine Entlüftung des Systems sowie einen Wechsel der serienmäßigen (metallischen) Bremsbeläge könnte hier notwendig sein.
Besonders geschätzt haben wir das Hinterbau-Federungssystem Zero Suspension, das laut Mondraker „Zero Kickback“ bieten soll. Es spricht sehr feinfühlig an, ist komfortabel und überzeugt durch seine hohe Progressivität – ein echtes Plus, das entscheidend zum sicheren Fahrgefühl auf dem SLY beiträgt.
Unsere Meinung zum elektrischen Teil des Mondraker SLY: Motor & Reichweite
Der Bosch-SX-Motor, auch wenn er auf 55 Nm Drehmoment begrenzt ist, liefert eine ordentliche Leistung – typisch für Bosch-Motoren. Er bringt das SLY in fast allen Situationen mühelos und sehr geschmeidig voran. Im Vergleich zum Shimano EP801 RS wirkt der Bosch SX beim Treten immer noch natürlich, erfordert jedoch weniger Trittfrequenz, um seine volle Leistung zu entfalten.
Allerdings hatten wir mehr Mühe, eine Rampe mit über 26,9 % Steigung zu bezwingen (390 m Länge, 68 m Höhenunterschied, 17,6 % durchschnittliche Steigung). Diese sehr steile Passage konnten wir im e‑MTB-Modus nur mit viel Körpereinsatz meistern.
So kraftvoll der Motor auch ist, er zeigt sich recht energiehungrig. In diesem Zusammenhang erscheint der 400 Wh Powertube-Akku für den Einsatzzweck des Bikes etwas schwach. Zwar ist er leichter als ein größerer Bosch-Akku, aber die 400 Wh sind ziemlich schnell verbraucht.
Auf unserer Enduro-Testschleife haben wir im e‑MTB-Modus rund 71 % der Akkukapazität für 20 km und 700 Höhenmeter verbraucht. Ziel der Ausfahrt war es, unsere übliche Runde zügig zu absolvieren, aber wir konnten an diesem Tag nur zwei der drei geplanten Abfahrten fahren – selbst im sparsamen e‑MTB-Modus.
Im Vergleich zu Fahrten mit „großen E‑MTBs“, die über mehr Motorleistung und Akkukapazität verfügen, mussten wir deutlich mehr kämpfen, um das Tempo zu halten. Das bringt uns zu dem Schluss:
Das SLY eignet sich eher für Einsteiger, die mit „Bio-Bike“-Gruppen (also unmotorisierten Fahrern) fahren wollen, nicht für Gruppen mit voll ausgestatteten, leistungsstarken E‑Bikes.
Hinzu kommt: Das SLY ist kompatibel mit dem Bosch PowerMore Range Extender, der weitere 250 Wh Kapazität – aber auch 1,6 kg zusätzliches Gewicht – mitbringt. Trotzdem scheint diese Option sehr interessant, da sie dem SLY mehr Reichweite und Vielseitigkeit verleihen würde.
Was bleibt aus diesem Test des elektrischen MTB Mondraker SLY RR zu merken?
Auch wenn Mondraker das SLY als Enduro-Modell positioniert, würden wir es eher für ein leichteres Einsatzprogramm empfehlen – für Trail- und All-Mountain-Ausfahrten mit geringeren Höhenmetern und weniger anspruchsvollen Trails als im klassischen Enduro-Bereich.
Es ist ein idealer Begleiter für Einsteiger, bei Touren mit moderater Distanz und Steigung, die mit einem Range Extender noch etwas erweitert werden können.
Diese Zielgruppe wird vor allem den komfortablen und sicheren Charakter des SLY schätzen, ebenso wie seine Spritzigkeit und das geringe Gewicht, das die Handhabung deutlich erleichtert.
Auch erfahrenere Fahrer, die vom Bio-Bike (Muskelbike) auf ihr erstes E‑MTB umsteigen wollen, finden im SLY einen leichten Einstieg in die Welt der E‑Bikes.
In diesem Fall sollte man allerdings besonders auf die Rahmengröße achten und eventuell eine Nummer größer wählen, wenn man das Bike in einem sportlicheren, aggressiveren Einsatzbereich nutzen möchte – auch wenn das etwas weniger Wendigkeit bedeutet.
Übersichtstabelle unseres Tests des Mondraker SLY RR
| Die + | Die – |
| Die Verarbeitungsqualität des Rahmens | Das Konzept des SLY spricht nicht jedermann an |
| Die sehr progressive Hinterradfederung | Die SRAM CODE Bremsen, denen es an Power mangelt |
| Der Komfort des Fahrrads | Die Position des Ladeanschlusses oben am Oberrohr ist nicht sehr praktisch |
| Die originalen Maxxis Reifen |
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