UTMB, CCC, TDS, OCC: Wie behältst du den Überblick in der verrückten Woche am Mont-Blanc?
20 juillet 2026
Jedes Jahr Ende August verwandelt sich Chamonix. Für eine Woche wird die Stadt in Haute-Savoie zur unangefochtenen Weltkapital des Trailrunnings. Während der breite Öffentlichkeit vor allem das Akronym „UTMB“ (Ultra-Trail du Mont-Blanc) bekannt ist, muss man wissen, dass dieser Begriff heute zwei Dinge bezeichnet: das historische Hauptrennen, aber auch das gesamte Event, den wahren globalen Gipfel der Disziplin.
Mit mehr als acht verschiedenen Rennformaten, die sich über eine hektische Woche verteilen, und fast 10.000 Läufern aus allen Teilen der Welt ist es völlig normal, dass du dich etwas verlierst. Was ist der Unterschied zwischen dem mythischen UTMB und der CCC? Warum gilt die TDS für viele als die schwierigste? Und was steckt hinter dem Akronym OCC?
Ob du ein begeisterter Zuschauer bist, der das Event live verfolgt, ein Begleiter am Streckenrand oder ein zukünftiger Läufer, der davon träumt, eine Startnummer zu ergattern – hier bekommst du eine vollständige Erklärung der vier Hauptwettbewerbe, um die außergewöhnliche Woche vollständig zu verstehen.

Die große Vergleichstabelle (Für einen schnellen Überblick)
Bevor wir in die Besonderheiten und den Geist jedes Einzelnen eintauchen, hier eine visuelle Zusammenfassung. Diese Tabelle ermöglicht es dir, sofort die Distanzen, den Höhenunterschied und die Typologie der „Vier Fantastischen“ der Woche zu erkennen.
(Hinweis: Distanzen und Höhenmeter können von Jahr zu Jahr um einige Kilometer variieren, abhängig von Streckenänderungen und Wetterbedingungen).
| Wettkampf | Distanz | Höhenmeter (D+) | Start | Ziel | Profil des Rennens & des Läufers |
|---|---|---|---|---|---|
| UTMB (Ultra-Trail du Mont-Blanc) | ~171 km | ~10.000 m | Chamonix (FRA) | Chamonix (FRA) | Der Gral der Ultra-Ausdauer. Für erfahrene Ultra-Trail-Läufer, die bereit sind, zwei Nächte draußen auf der kompletten Runde des Massivs zu verbringen. |
| TDS (Sur les Traces des Ducs de Savoie) | ~145 km | ~9.100 m | Courmayeur (ITA) | Chamonix (FRA) | Die wilde und technische. Für reine Bergläufer, die steile Pfade und intensive körperliche Herausforderungen lieben. |
| CCC (Courmayeur - Champex - Chamonix) | ~100 km | ~6.100 m | Courmayeur (ITA) | Chamonix (FRA) | Das Vorzimmer der Legende. Für Spezialisten der 100K-Distanz oder angehende Kandidaten für den UTMB. Schnell an der Spitze, sehr anspruchsvoll für das Hauptfeld. |
| OCC (Orsières - Champex - Chamonix) | ~55 km | ~3.500 m | Orsières (SUI) | Chamonix (FRA) | Die Explosive. Ein „Bergmarathon“-Format, nervös und sehr rhythmisch, ideal, um die Begeisterung des Events an nur einem Tag zu erleben. |
Die Entschlüsselung der „Fantastischen Vier“
Wenn die Tabelle den Vergleich der Zahlen erlaubt, sagt sie nichts über die Seele dieser Rennen aus. Denn hinter den Kilometern und dem Höhenunterschied verbergen sich Abenteuer mit sehr eigenem Charakter. Das ist das, was die DNA jedes einzelnen von ihnen ausmacht.
Der UTMB (Ultra-Trail du Mont-Blanc): Der absolute Mythos
Dies ist das Rennen, das alles verändert hat, dasjenige, durch das das Trailrunning in eine neue Dimension überging. Der UTMB ist nicht nur ein sportlicher Wettkampf, er ist eine Reise.
- Die Strecke: Er bietet die komplette Runde um das Mont-Blanc-Massiv. Start ist in Chamonix, die Läufer durchqueren drei Länder (Frankreich, Italien und die Schweiz), bevor sie an ihren Ausgangspunkt zurückkehren und so eine mythische Schleife von mehr als 170 km schließen.
- Die Schwierigkeit: Über die 10.000 Meter positiven Höhenunterschied hinaus liegt die wahre Schwierigkeit des UTMB in der Bewältigung der Anstrengung über die Dauer. Für die überwältigende Mehrheit des Feldes bedeutet dies, zwei ganze Nächte draußen zu verbringen, gegen den Schlaf zu kämpfen und sich an oft launisches alpines Wetter anzupassen (es kann tagsüber sehr heiß sein und nachts in der Höhe frieren).
- Die Atmosphäre: Unnachahmlich. Der Start auf dem Platz „Triangle de l'Amitié“, mit Tausenden Zuschauern und der bewegenden Musik von Vangelis (Conquest of Paradise), lässt selbst die Härtesten erzittern. Das Ankommen unter dem Bogen wird oft als einer der intensivsten Momente im Leben eines Läufers beschrieben.
Die TDS (Traces des Ducs de Savoie): Die wildeste und gefürchtetste
Täusche dich nicht wegen ihrer „kürzeren“ Distanz im Vergleich zum UTMB. In der Trailrunning-Szene hat die TDS den Ruf, der technisch anspruchsvollste Wettkampf zu sein.
- Die Strecke: Sie startet in Courmayeur (Italien) und führt dann in die Region Beaufortain in Frankreich. Es ist eine großartige Route, abseits der stark bevölkerten Täler, die atemberaubende Aussichten auf unberührte Gebirgsmassive bietet.
- Die Schwierigkeit: Es ist ein Konzentrat an Hochgebirge. Die Wege sind weniger „rollend“ als beim UTMB. Du musst steile Anstiege und technische, felsige Abstiege bewältigen, bei denen jeder Schritt zählt.
- Der Geist: Es ist das Rennen für Puristen und Bergsteiger. Weniger medienwirksam als seine große Schwester, zieht es Läufer an, die Authentizität, Härte und Einsamkeit im Angesicht der unermesslichen Gipfel suchen.
Die CCC (Courmayeur - Champex - Chamonix): Die kleine Schwester, die zur Riesen wurde
2006 ins Leben gerufen, um den UTMB zu entlasten, wurde die CCC lange Zeit als Trostpreis angesehen. Das ist heute völlig falsch: Sie ist zu einem der prestigeträchtigsten 100-km-Rennen der Welt geworden.
- Die Strecke: Sie nutzt die zweite Hälfte der UTMB-Strecke. Der italienische Start in Courmayeur wird schnell von einer der großen Herausforderungen gefolgt: Dem Überqueren des gefürchteten Grand Col Ferret in der Schweiz, auf über 2.500 Metern Höhe.
- Die Schwierigkeit: Es ist ein Rennen mit zwei Gesichtern. Vorne bei den Eliteläufern (die die Strecke in etwa zehn Stunden absolvieren) ist das Tempo rasant und extrem nervös. Hinten bei den Amateuren ist es eine wahre Ausdauerherausforderung über einen Tag und eine Nacht mit langen, erschöpfenden Anstiegen.
- Der Einsatz: Sie gilt mittlerweile als „Weltfinale“ in der 100K-Kategorie der UTMB World Series. Das Niveau ist stratosphärisch.
Die OCC (Orsières - Champex - Chamonix): Die Explosive
Die jüngste der „großen“ Läufe (2014) hat sich als Marathonformat des weltweiten Trail-Highlight-Events etabliert.
- Die Strecke: Der Start erfolgt in der Schweiz, im charmanten Ort Orsières. Die Route trifft dann auf die der CCC und des UTMB und führt über Balkone mit atemberaubenden Ausblicken auf das Massiv nach Chamonix.
- Die Besonderheit: Mit „nur“ 55 km und 3.500 Metern Höhenunterschied wird die OCC am Tag gelaufen. Für Profis ist es ein wahrer gigantischer Sprint von 5 Stunden, bei dem die Attacken constant sind. Die kleinste Schwäche ist hier tödlich für die Platzierung.
- Die Zugänglichkeit: Für Hobbyläufer ist sie der perfekte Einstieg. Sie ermöglicht, das UTMB-Erlebnis zu leben, unter dem mythischen Bogen in Chamonix durchzulaufen und eine tadellose Organisation zu genießen – und das ganz ohne die Halluzinationen und extreme Erschöpfung einer durchwachten Nacht in den Bergen.
Die anderen Läufe der Woche: Es gibt nicht nur Ultratrails!
Während die „Fantastischen Vier“ den Großteil der medialen Aufmerksamkeit auf sich ziehen, lebt die Mont-Blanc-Woche im Rhythmus weiterer ebenso faszinierender Formate, die es jedem Trail-Typ erlauben, seinen Platz zu finden.
- Die PTL (La Petite Trotte à Léon) – ~300 km / ~25.000 m D+: Es ist streng genommen kein Rennen, sondern ein extremes Abenteuer im Team von zwei oder drei Personen. Ohne jegliche Markierung am Boden (nur Orientierung per GPS) und in nahezu voller Autonomie umrunden die Teilnehmer das Massiv in größerem Bogen. Ein außergewöhnlicher Wettkampf, der ein außergewöhnliches Bergverständnis und Engagement verlangt.
- Die MCC (Von Martigny-Combe nach Chamonix) – ~40 km / ~2.300 m D+: Ursprünglich für Helfer, Partner und Bewohner des Mont-Blanc-Raums geschaffen, eröffnet dieser Wettkampf traditionell die Festlichkeiten am Montag. Die Anmeldung ist weniger selektiv und das Profil wird als sehr lokal und feierlich geschätzt – gleichzeitig bleibt es eine schöne sportliche Herausforderung.
- Die ETC (Experience Trail Courmayeur) – ~15 km / ~1.200 m D+: Das kürzeste Format der Woche mit Basis in Italien. Es ist eine schnelle und anspruchsvolle Strecke mitten in den Almen von Courmayeur, gedacht für explosive Athleten oder für jene, die das Eventambiente in einem kompakten Format erleben möchten.
- Die YCC (Youth Chamonix Courmayeur): Formate, die speziell für die jüngeren Kategorien (Minimes, Cadets, Juniors, Espoirs) reserviert sind. Sie kombinieren einen Prolog und ein Straßenrennen, um die zukünftigen Champions der Disziplin ins Rampenlicht zu rücken.

Läufer oder Zuschauer: Wie du das Event gut erlebst
Ein solches Ereignis improvisiert man nicht, egal auf welcher Seite der Absperrung du dich befindest.
Für Zuschauer und Enthusiasten (vor Ort oder aus der Ferne): Wenn du das Rennen vom Sofa aus verfolgst, solltest du wissen, dass die Organisation eine außergewöhnliche Infrastruktur über die Plattform UTMB Live bereitstellt. Dank eingebauter Kameras, Drohnen, Experten-Kommentatoren und einer GPS-Verfolgung in Echtzeit jedes Läufers ist das Erlebnis total. Für Zuschauer vor Ort ist die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel im Tal (UTMB Bus-Shuttles) zwingend, um Straßensperrungen zu vermeiden. Einige Orte sind besonders magisch, um die Läufer anzufeuern: Les Contamines-Montjoie zur Abenddämmerung, Courmayeur mit seiner elektrisierenden italienischen Verpflegungsstation oder der ruhige See von Champex in der Schweiz.
Wusstest du das? Der Weg der künftigen Läufer zum Start: Man meldet sich nicht spontan für die großen Mont-Blanc-Rennen an. Die Bewerber müssen zum einen einen gültigen „UTMB-Index“ besitzen (der ihr Leistungsniveau auf vergleichbarer Distanz bestätigt) und zum anderen „Running Stones“ sammeln, indem sie Rennen der World Series des UTMB absolvieren und beenden. Diese „Steine“ dienen als Lose für die immer selektiver werdende finale Auslosung angesichts des weltweiten Interesses.
Fazit
Mehr als nur eine Abfolge von Startnummern und Stoppuhren hat sich die Mont-Blanc-Woche als globales Zentrum etabliert, an dem die Legende des Trailrunnings geschrieben wird. Von den steilen Pfaden der gefürchteten TDS über den tagsüber sprintenden OCC bis hin zum langen heldenhaften Leiden des UTMB – jede Distanz bietet ihre eigene Philosophie der Anstrengung.
Unabhängig von Motivation, Kilometerzahl oder Endplatzierung bleibt das Überschreiten der Ziellinie in Chamonix, von einer jubelnden Menge gefeiert, eine Zeit lose Errungenschaft. Ein menschliches Abenteuer, das für immer in den Beinen und im Geist derjenigen verankert ist, die sich diesem messen.
